Deutsche Kirchenzeitung /Juli 2013

 

Stimmen

 

 „Man spricht jetzt endlich über die Missbrauchsfälle, in denen Priester der katholischen Kirche sich an Minderjährigen vergangen haben; doch wie der Zölibat all denjenigen Frauenunrecht tut, die sich in einen Kleriker verlieben oder auf seine –oft unreife Form von-Liebe antworten, bleibt immer noch tabuisiert, ausser die Opfer wagten öffentlich davon zu sprechen, -wie es hier geschieht.“  Prof. Eugen Drewermann

 

 

Dass der Pflichtzölibat nicht zum Wesen des katholischen Glaubens gehört, sondern eine kirchenrechtliche Regelung ist, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden ist und sich darum jederzeit wieder aufheben liesse, ist allen bekannt, den Laien undTheologen, den Priestern und Bischöfen. Verena Lang will die theologische und kirchenrechtliche Debatte nicht fortsetzen, sie interessiert sich – aus eigener Betroffenheit – für die Menschen, deren Leben durch die priesterliche Verpflichtung zur Ehelosigkeit verkrümmt worden ist, im besonderen für die Frauen, welche in Liebe mit einem Priester verbunden sind, die aber diese Liebe nur an versteckten Orten leben dürfen und sie in der Öffentlichkeit, speziell im kirchlichen Raum, verleugnen müssen. Der Pflichtzölibat führt unausweichlich zu inneren und äusseren Brüchen: Entweder quittieren die Priester ihren kirchlichen Dienst (mit oder ohne päpstliche Erlaubnis) oder die Liebe zerbricht oder die Liebenden halten ihr heimlich-unheimliche Versteckspiel bis zur Pensionierung durch – häufig auf Kosten ihrer Liebe. Alle sind Verlierer. Muss das sein? Und dies im Namen des Evangeliums?

Prof. Eugen Drewermann begrüsst in einer Zuschrift an die Autorin, dass die Opfer dieses kirchlichen Unrechts wagen „öffentlich davon zu sprechen, wie es hier (im Buch von Verena Lang) geschieht.“ Hans Stricker, evangelischer Theologe, Bellach

 

Eine menschenverachtende Praxis in der katholischen Kirche kommt hier zur Sprache. Einmal nicht in der Form einer journalistisch aufbereiteten Information oder einer kritischen theologischen Abhandlung. Hier wird nicht so sehr analysiert, als vielmehr erzählt von Lebensschicksalen, die berühren und betroffen machen. Der Autorin gelingt es so, das komplexe Spannungsverhältnis zwischen der Liebe und dem „Gesetz“ in eindrücklichen Schilderungen und stimmigen Bildern darzustellen.  Franz Eckert, kath. Theologe und Germanist,  Langendorf