singen
Aktualisiert: 2. Okt.
Heute Morgen hat Ida Calypso gedacht: Singen sollte man können. Frei und schön.
Es gibt diese Morgenmomente, die so hell und leicht sind wie ein heiteres Lied. Das Licht fällt weich auf die Dinge, und für einen Augenblick ist alles einfach da.
Sie wird still und hört ins Grüne. Und da ist es, das Singen. Irgendwo zwischen Blättern und Zweigen. Ihre Ohren öffnen sich, als wollten sie tiefer hören, etwas von hinter der Welt.
Mitten in diesem Weltelend, mitten in all dem, was so schwer ist: ein lichter Augenblick. Fast unverschämt schön. Nicht einmal der Schmerz im Rücken kann ihn trüben.
Dabei färbt er nichts schön. Er übertüncht nichts. Das Schwere bleibt schwer, das Traurige traurig. Aber für einen Moment darf etwas anderes daneben sein: ein wenig Licht, ein wenig Grün und Tanz.
Es genügt, dass es kurz auftaucht. Dass es sie findet, ohne dass sie danach gesucht hat. Dass es winkt und wieder verschwindet.
Vielleicht ist gerade das wichtig: dass es nichts verspricht. Dass es nicht bleiben muss. Dass es einfach da gewesen ist.
„Danke für die Umarmung“, sagt Ida leise.