top of page

Nur das

verena lang
9. Sept.
1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Okt.

Vielleicht ist das überhaupt das Merkwürdige am Älterwerden: Irgendwann merkt man, dass man von sich selbst nicht mehr in sicherer Entfernung erzählen kann.

Also gut.

Seit einiger Zeit verfolgt mich ein Wort. Es kommt aus Büchern, aus Podcasts, aus den Mündern von Menschen, die offenbar schon viel weiter sind als ich.

Alte Liebe. Alte Wut. Alte Vorstellungen. Alte Geschichten.

Loslassen.

Besonders uns Älteren wird es ans Herz gelegt. Vielleicht, weil man glaubt, wir hätten über die Jahre zu viel angesammelt. Als lägen all die alten Dinge bei uns im Keller und warteten nur darauf, endlich freigelassen zu werden.

Eine regelrechte Loslass-Epidemie.

Und natürlich gibt es inzwischen auch die passenden Coaches dazu. Nichts dagegen. Jeder soll schliesslich von etwas leben. Ich denke neuerdings lieber barfuss.

Und deshalb versuche ich es erst einmal mit Zulassen.

Eine Tür öffnen, wenn etwas davorsteht.

Ist abenteuerlich.

Eine Erinnerung.

Trauer, Wut, die noch nicht fertig ist mit mir.

Komm herein, sage ich.

Setz dich.

Ich höre dir zu.

Mehr erst einmal nicht. Nur das.

Ich höre dich.

Vielleicht gehen manche Dinge tatsächlich leichter, wenn man aufhört, sie wegschicken zu wollen. Man muss ja nicht alles sofort loslassen.

Vielleicht ist manches auch gar nicht dafür gedacht, losgelassen zu werden.

Vielleicht will es einfach noch ein bisschen bei mir sitzen.

Manchmal reicht es, langsam und spürend weiterzugehen. Nur das.

Auch wenn es wehtut.

Mit der Zeit wird die Haut an den Füssen dicker.

Und vielleicht wird man dabei nicht gefühlsloser.

Nur etwas trittsicherer.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
singen

Heute Morgen hat Ida Calypso gedacht: Singen sollte man können. Frei und schön. Es gibt diese Morgenmomente, die so hell und leicht sind wie ein heiteres Lied. Das Licht fällt weich auf die Dinge, und

 
 
ein Luftzug durch Jahrhunderte

Ida spricht oft laut mit dem Unsichtbaren. Nicht, weil sie eine Antwort erwartet. Sie glaubt, so könne sie sich das Sprechen erhalten. Und wenn niemand da ist, kann sie sagen, was sie will. Sie sucht

 
 
Fuss-Noten

Manchmal liest Ida Calypso den Tag mit den Füssen, eine Form von Barfussdenken. Sie geht. Sie spürt. Sie sammelt ein, was ihr so unter die Sohlen gerät. Gedanken zum Beispiel. Die kommen ungefragt. Wi

 
 
bottom of page